Wieder mal dankbar

Eines meiner Lieblings-Objekte des höheren Nonsens ist die Kolumne „Schotterblick“ im Blick am Abend, immer noch unterzeichnet von Jeannine Pilloud, mittlerweile SBB-Delegierte für ÖV-Branchenentwicklung. An der Qualität der Kolumne hat sich dadurch leider nichts geändert. Die Kolumne kam ja in diesem Blog schon mal zu Ehren – eine besondere aber durchaus zweifelhafte Auszeichnung, fast wie die goldene Himbeere oder der „Gahts-no!“-Priis.

Dieses Mal ging es in der Kolumne von Frau Pilloud um die Kälte draussen, trotz Frühlingsanfang, und die Wärme drinnen. Also im Zug, weil um das geht es jeweils im Schotterblick. Und jetzt raten Sie mal, wofür Frau Pilloud diesmal dankbar war? Richtig, und jetzt folgt ein Zitat, das muss trotz Anführungs- und Schlusszeichen gesagt sein, sonst wird es noch als Ironie verstanden: „Dass es in unseren Fahrzeugen des ÖV geheizt ist, nehme ich als Luxus wahr, wenn ich draussen nur sehr ungern herumstehe. Und da spielen 1 bis 2 Grad mehr oder weniger im Zug nicht so eine Rolle.“ Ich habe mich gefragt: Ist die alte Sowjetunion jetzt der neue Standard?

Aber langsam ahne ich, was da noch auf uns zukommt. Das sind nicht einfach Alltagserlebnisse, das ist ein von langer Hand und mit fieser Absicht vorbereiteter Plan. Kein Sitzplatz? Wir sitzen doch den ganzen Tag schon, Frau Pilloud ist dankbar, dass sie stehen darf. Etwas eng beieinander stehen? Frau Pilloud ist dankbar, das gibt wieder etwas mehr menschliche Wärme im Leben. Irgendwann muss man dankbar sein, dass der Zug noch am richtigen Ort ankommt. Wir erwarten einfach zu viel, das ist es.

Ich bin weder der „Service-Public-ist-Alles“- noch der „Der-Markt-kann-das-besser“-Typ, aber diese Schönschreiberei nervt. Gewaltig. Trotzdem bin ich dankbar für diese Kolumne. Ich nehme es als Luxus wahr, auch dank öffentlichen Geldern zu neuen Ideen für meinen Blog zu kommen.

2 Gedanken zu “Wieder mal dankbar

  1. Ja, lieber Lorenz, es dürfte Dich kaum überraschen, dass ich Frau SBB volleständig Recht gebe. Kann es sein, dass wir wohlstandsverweichlicht sind?

    Ich schlage Dir vor, dass Du mal einen Winter lang mit einem Motorrad oder noch besser mit einem Fahrrad pendelst. Ich bin überzeugt, dass Du danach die Kolumne von Frau SBB viel besser verstehen wirst.

    Live long and prosper

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  2. Der „Schotterblick“ mutiert zum Tunnelblick ohne Lichtblick. Scharf beobachtet, Lorenz. Dran bleiben, aber nicht zu hart, damit dir Frau Pilloud als Inspirationsquelle für deine Gegenkolumne nicht abhanden kommt!

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