Six-Pack und andere wichtige Dinge

Ich weiss, ich begebe mich gerade auf gefährliches Gelände- es geht nämlich um #meetoo und Gender-Fragen, und da kann man es fast nur falsch machen. Ich wollte nie über dieses Thema schreiben, genau aus diesem Grunde, aber dann kam mir beim Joggen ein Gedanke, so wie die Gedanken beim Joggen manchmal einfachen kommen. Ich habe mich nämlich zwischen zwei Schweisstropfen plötzlich an eine Szene aus der Sendung Lifestyle erinnert, bei der Patricia Boser einem Töff-Fahrer mit der Nummer 77 das T-Shirt angehoben hat, um sein Six-Pack sehen zu können. So gefragt ungefragt, weil sie hat gefragt «dürfen wir dein Six-Pack sehen», um im gleichen Moment das T-Shirt anzuheben.

Es war tatsächlich ein Six-Pack zu sehen. Ich glaube niemanden hat es gestört, wahrscheinlich war es auch abgesprochen. Vielleicht aber ist die Nummer 77 sensibel und verletzlich, nicht nur physisch, wenn er mit dem Töff aus der Kurve fällt, und hat sich nicht getraut, nein zu sagen. Schliesslich haben da ja noch andere zugeschaut, nicht nur Patricia. Auf jeden Fall habe ich beim Joggen gedacht: Wenn das ein Mann bei einer Frau getan hätte – was für ein Aufschrei.

Vor dem Joggen hatte ich einen Artikel über Frauen in Ärzteberufen gelesen. Der Titel: Männerberuf: Urologin, selbst wenn eine 60-Stunden-Woche nur ohne Kind machbar ist. Und dann war noch eine Kurznotiz zu Denner in der gleichen Zeitschrift: Denner bietet gemäss seinem Nachhaltigkeitsbericht heute beiden Geschlechtern gleiche Karrieremöglichkeiten. Absender der Botschaft: die sechsköpfige männliche Geschäftsleitung. Aber vielleicht ist das ja auch ein Männerberuf, der nur ohne Kind möglich ist. Und alle diese Männer haben keine Kinder. Und plötzlich war ich mir unsicher, was Geschlechterklischees mehr zementiert: Die Realität oder Artikel, die so subtil unterstellen, dass die Frau beim Kind sein muss, dass man es gar nicht merkt.

Vielleicht bin ich einfach zu intellektuell für dieses Thema. Ich sehe es schon, es gibt Dinge, die noch zu ändern sind. Aber dann: In unserem Königskuchen von diesem Jahr war es eindeutig eine Königin, an der man sich die Zähne fast ausgebissen hätte. Und da muss ich sagen: Das geht jetzt einfach zu weit.

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