Schotter- oder Tunnelblick?

Liebe Frau Pilloud

Normalerweise spreche ich in diesem Blog Personen nicht direkt an, ich will auch niemanden verletzen. So bin ich: Harmonie und Konsens sind mir wichtig. Für einmal muss es aber sein, weil Sie sind es, die mir regelmässig im Blick am Abend begegnen, in der Kolumne „Schotterblicke“. Vielleicht ist es auch eine Glosse oder sogar Satire, man weiss es nicht so recht. Es war sicher schon zum dritten Mal, dass ich lese, wie Sie die SBB schönschreiben. Möglicherweise ist es auch Ihre Marketingabteilung, aber Sie geben zumindest Ihren Kopf dafür her.

Das letzte Mal schrieben Sie darüber, wie interessant eine blockierte Weiche ist, was dann alles passiert und wie kompliziert das doch ist und wie alle Verständnis hatten. Das Fazit war: Ich habe zwar mein Training verpasst, aber alles halb so schlimm. Ich kann mich an ähnliche Beiträge zu vollgestopften Zügen ins Tessin und ziemlich sicher auch zu Zugsverspätungen erinnern. Es war immer alles eine Freude und ein Erlebnis. Und vor allem waren Sie immer dankbar für die Erfahrung.

Wie soll ich sagen? Es nervt. Ich habe mir überlegt, wie so etwas in meinem Beruf aussehen würde. Was ich tun würde, wenn ich mein Leistungsversprechen nicht einhalte. Sagen wir mal, ich hätte mein Beratungshonorar überzogen – und selbstverständlich auch fakturiert. Ich würde dann wohl davon erzählen wie schwierig so eine Projektkalkulation ist, schliesslich steckt das Leben im Allgemeinen und der Kunde im Speziellen voller Überraschungen. Aber es sei eine spannende Sache, würde ich dann noch sagen, und man müsse manchmal nochmals einen Schritt zurück oder auch drei Schritte vorwärts und so was koste dann halt, und schön, dass wir um eine Erfahrung reicher sind.

Und ja: die S7 nach Meilen ist gerade wieder ausgefallen, blockiert, verkürzt geführt oder verspätet, Sie können sich etwas aussuchen. Aber darüber gibt es sicher auch bald eine nette Geschichte. Nur eine Frage hätte ich noch. Wenn Sie diese Pannen wirklich alle selbst erlebt haben: Gibt Ihnen das nicht etwas zu denken?

Ein Gedanke zu “Schotter- oder Tunnelblick?

  1. Voll auf die Zwölf! Den SBB und ihrem PR-Kommando wird deine Meinung leider schnurz sein. Entscheidend ist, dass alle positiv denken, auch die veräppelten Kunden. Und anscheindend dürfen die Service-public-Manager auf die Good Vibes der Kunden zählen: Wurde nicht kürzlich die Service-public-Initiative des K-Tipp, der diese Missstände beharrlich anprangerte, fulminant bachab geschickt? Don’t worry, be happy!

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