Flaschengeist Siri

Bei meinem iPad erhalte ich seit einiger Zeit Vorschläge, was für Fragen ich Siri stellen könnte. Mindestens, wenn ich den Daumen zu lange auf der Home-Taste halte. Wähle die Natel-Nummer von Sabine, wie viel ist 16 mal 24, wie sieht es an der Börse aus, schlägt Siri dann vor, so wie wenn wir uns schon seit langem kennen würden.

Ich habe nichts gegen Siri, es hat etwas sehr Praktisches. Und Fragen vorzuschlagen, kann einen pädagogischen Effekt haben, schon klar. Man entdeckt die Möglichkeiten, die einem Siri bietet. Es ist schön, wenn einem Dinge abgenommen werden. Aber trotzdem: Eine Maschine schlägt mir vor, was ich sie fragen soll? Ist das nicht etwas gespenstisch?

Gibt mir Siri bald eine Antwort, bevor ich eine Frage gestellt habe? Lorenz, du solltest keine weitere Episode von «Gas Monkey» mehr schauen, du musst morgen um 06.30 auf? Wenn ich an ein Vanille-Rhabarber-Joghurt denke, ist es dann schon in der Bring-Liste eingefügt? Oder schon im Kühlschrank? Da müsste man ja höllisch aufpassen, was man so denkt. Beispielsweise über seinen Sitznachbarn in der S-Bahn, der drei Plätze belegt und so tut, als ob nichts wäre. Wer hätte das noch unter Kontrolle? Meine Frau will wieder mal DEN Film mit Richard Gere sehen, ich eigentlich lieber «Der 13. Krieger». Wir erhalten eine Reservation für den Frauenfilm, weil sie mehr Apple-Apps gekauft hat? Oder es ist doch der Männerfilm, weil ich im Wortguru schon auf Level 495 bin?

Vielleicht sieht es am Ende so aus: Siri hat uns eine zusätzliche Wohnung gemietet, weil die Vorstellungen aller vier Familienmitglieder mit keinem Algorithmus auf einen vernünftigen Nenner gebracht werden können. Dieses Problem kenne ich – auch ohne Algorithmus.

Ich wollte deshalb mal Testen, was Siri so draufhat, und habe drei Fragen gestellt:

  • Ist Donald Trump ein guter Präsident?
  • Was ist der Sinn des Lebens?
  • Wer ist Schweizer Fussballmeister?

Ich war beeindruckt. Siri hat alles schlüssig beantwortet. Vielleicht ist es doch am einfachsten, mit dem Denken aufzuhören. Es reicht ja, wenn man sich die richtigen Fragen stellen lässt.

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