Nimm dir Zeit

Die UBS hat sich ein neues Programm zur Verbesserung der Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter ausgedacht. Jedem der weltweit 6000 Investmentbanker stehen pro Woche zwei Stunden zu, in denen sie sich um ihr Privatleben kümmern können. Getauft wurde die Initiative „take two“. Wie in der Zeltli-Werbung: Nimm zwei, eins für dich und eins für deinen Freund.

Ich finde das fair. Deine Frau bekommt ein Kind? Kein Problem, nimm dir zwei Stunden frei. Man muss ja nicht schon da sein, wenn die Fruchtblase noch nicht geplatzt ist. Dein Kind hat Geburtstag? Für eine Runde im McDonalds reicht das locker. Du solltest dringend zum Arzt? Warum alle Beschwerden auf einmal behandeln, nächste Woche werden wieder zwei Stunden frei. Dein Vater ist gestorben? Hätte ja auch bis nach deiner Pensionierung warten können.

Ganz so einfach ist es aber doch nicht: Die Voraussetzung dafür ist, dass ein Mitarbeiter einspringt. Hmmmmmm.

Da habe ich mich gefragt, ob diese Rechnung aufgeht. Ich kann es drehen und wenden wie ich will. Wenn jemand für mich einspringt, dann braucht er doch auch wieder jemanden, der für ihn einspringt. Oder? Und der dann auch wieder. Ich stelle mir das wahnsinnig kompliziert vor. Da will ein Mitarbeiter mal rasch Lebensmittel einkaufen und das ganze Haus rotiert wegen ihm. Von wegen Erholung!

Für die Mitarbeiter der Credit Suisse besteht seit kurzem ein ähnliches Programm. „Protecting Friday Night“, heisst es. Es soll dafür sorgen, dass die Mitarbeiter zumindest einen Teil des Wochenendes nicht arbeiten.

Ich predige das ja schon lange: Ein knackiger Programm-Name ist die halbe Miete. Ich schlage vor, dass man ab jetzt bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages gleich noch das passende Package wählt. „Take two“ für die easy-going-Typen. „Protecting Friday Night“ für diejenigen mit Familie und fünf Kindern. „Relax“ für solche, die zwei Wochen pro Jahr Ferien machen wollen. „Detox“ heisst ohne Kantinenessen. „Vitality“ bedeutet mindestens zwei Besprechungen pro Woche auf dem Laufband und Powerpoint-Päsentationen nur, wenn man den Strom für den Laptop selber per Pedal erzeugt.

Und „all inclusive“ ist für diejenigen, die das Geschäft gar nicht mehr verlassen wollen. Mindestens bis zur nächsten Kündigungswelle.

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