Buchstabensuppe

Kürzlich habe ich in unserem Kühlschrank zwischen Truthahnbrust und Kopfsalat noch ein paar alte Buchstaben gefunden. Sie wissen schon, die aus unserem Alpha-beet, biologisch-dynamisch. Sie waren zwar schon etwas runzlig, aber noch essbar. Was mach ich jetzt bloss mit diesen Buchstaben, habe ich mich gefragt, es waren nämlich ein A, drei C und ein V.

Eine einfache Buchstabensuppe? Das hatten wir kürzlich schon. Ein Do-Re-Mi-Su? Eine gefüllwörterte Gans? Ein Randudensalat? Ein scharfes S, kurz auf beiden Seiten grilliert? Die drei C und das A in einem Thunfisch-Carpaccio verwerten? Da hätte ich zwar noch einen Resten, aber das gäbe mindestens den dreifachen Wortwert, wie im Scrabble.

Es wurde mir nicht langweilig. Sautieren statt konjugieren! Lessing statt Dressing!! Oder sollte ich die Buchstaben für den nächsten Literaturclub spenden? Ich habe mich schon als Bocuse des Alphabets gesehen. Als der neue Buchstabenflüsterer. Als Jamie Oliver der einfachen Sätze –am Schluss immer noch mit etwas Peperoncini drauf. Eine Mehlsuppe mit einem Und und zwei Oder gebunden? Die Leiden der jungen Wörter? Der Proz-ess von Kafka? Der Mann ohne Eigenschaftswörter von Musil? Albert Ca-mus? Si-mohn-e de Beauvoir? Günter Gr-ass ? Hundert Jahre Ei-nsamk-ei-t ?

Ich muss zugeben, mit der Zeit habe ich mich etwas verzettelt. Oder besser: Ich kam nicht mehr auf den Punkt. Wissen Sie, was ich am Schluss mit meinen Buchstabenresten gemacht habe? Ich habe sie in den Tiefkühler gesteckt. Man weiss ja nie, wann man noch ein paar davon braucht.

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