20 Minuten, 20 Tage oder 20 Jahre?

Comic Kontraste: Links düstere Welt mit pessimistischen Aussagen, rechts gute Welt mit Hoffnung und hilfsbereiten Menschen. Texte: Die Welt ist schlecht; Die Leute sind unfreundlich; Es gibt keine Hoffnung; Alles geht bergab; Die Zukunft ist dunkel; Die Welt ist gut; Die Menschen sind hilfsbereit; Wir haben Hoffnung; Eine helle Zukunft wartet.

Ich war nahe dran zu kapitulieren, mit meiner Lust, an 20 Minuten herumzunörgeln. Kaum hatte ich den letzten Post abgesetzt, kam die Meldung: «In eigener Sache: 20 Minuten erzielt Gewinnsprung». Da bin ich eben doch HSG-Absolvent: Etwas haben sie trotz allem richtig gemacht.

Aber 20 Minuten lässt mir einfach keine Ruhe. Dieses Mal ist es ein Artikel über einen Vorfall an einer Tankstelle. Was mich dabei irritiert: Zuoberst steht seit längerem der Titel «Tödlicher Streit – «Ich sass bei der Tankstelle, als er zuschlug», und ziemlich weiter unten die gegenteilige oder mindestens anders zu verstehende Mitteilung «Tankstellen-Streit: Polizei schliesst Gewalt als Todesursache aus».

Es ist nicht das erste Mal, dass mir das aufgefallen ist. Veraltete Artikel können lange obenaus schwingen, auch wenn sich in der Zwischenzeit etwas anderes herausgestellt hat. Was ich daraus schliesse: Was häufig gelesen wird, steht weiter oben.

Jetzt könnte man einwerfen, dass eben nur Mord und Totschlag zählen. Aber hier musss man das Potential erkennen. Wir können die Welt endlich sehen, wie wir sie sehen wollen. Beispiele? FC Basel 1:0 in Führung. Einfach stehen lassen, auch wenn es am Ende ein 1:3 wird. Oder Abstimmungsprognosen: Leider doch anders herausgekommen, als prognostiziert? Weiter eifrig die Prognosen lesen (oder anklicken, das reicht möglicherweise schon). Oder dann: «Trump unterliegt in Präsidentschaftswahl». Es ist doch ganz einfach: Man muss es nur lange genug stehen lassen. In diesem Fall halt seit 2020.


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